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Wer kann Jesu Jünger sein?
EVANGELIUM Lk 14,25–33 für den 5. September 2010
Seine Ressourcen prüfen
In jener Zeit, als viele Menschen Jesus begleiteten, wandte er sich an sie und sagte: Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein.
Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein.
Wenn einer von euch einen Turm bauen will, setzt er sich dann nicht zuerst hin und rechnet, ob seine Mittel für das ganze Vorhaben ausreichen? Sonst könnte es geschehen, dass er das Fundament gelegt hat, dann aber den Bau nicht fertig stellen kann. Und alle, die es sehen, würden ihn verspotten und sagen:
Der da hat einen Bau begonnen und konnte ihn nicht zu Ende führen.
Oder wenn ein König gegen einen anderen in den Krieg zieht, setzt er sich dann nicht zuerst hin und überlegt, ob er sich mit seinen zehntausend Mann dem entgegenstellen kann, der mit zwanzigtausend gegen ihn anrückt? Kann er es nicht, dann schickt er eine Gesandtschaft, solange der andere noch weit weg ist, und bittet um Frieden.
Darum kann keiner von euch mein Jünger sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet.
1. LESUNG Weish 9,13–19
Gottes Weisheit erkennen
Welcher Mensch kann Gottes Plan erkennen, oder wer begreift, was der Herr will?
Unsicher sind die Berechnungen der Sterblichen und hinfällig unsere Gedanken; denn der
vergängliche Leib beschwert die Seele, und das irdische Zelt belastet den um vieles besorgten Geist.
Wir erraten kaum, was auf der Erde vorgeht, und finden nur mit Mühe, was doch auf der Hand liegt; wer kann dann ergründen, was im Himmel ist? Wer hat je deinen Plan erkannt, wenn du ihm nicht Weisheit gegeben und deinen heiligen Geist aus der Höhe gesandt hast?
So wurden die Pfade der Erdenbewohner gerade gemacht, und die Menschen lernten, was dir gefällt; durch die Weisheit wurden sie gerettet.
2. LESUNG Phlm 9b–10.12–17
In Freiheit handeln
Lieber Bruder! Ich, Paulus, ein alter Mann, der jetzt für Christus Jesus im Kerker liegt, ich bitte dich für mein Kind Onesimus, dem ich im Gefängnis zum Vater geworden bin.
Ich schicke ihn zu dir zurück, ihn, das bedeutet mein eigenes Herz. Ich würde ihn gern bei mir behalten, damit er mir an deiner Stelle dient, solange ich um des Evangeliums willen im Gefängnis bin.
Aber ohne deine Zustimmung wollte ich nichts tun. Deine gute Tat soll nicht erzwungen, sondern freiwillig sein.
Denn vielleicht wurde er nur deshalb eine Weile von dir getrennt, damit du ihn für ewig zurückerhältst, nicht mehr als Sklaven, sondern als weit mehr: als geliebten Bruder. Das ist er jedenfalls für mich, um wie viel mehr dann für dich, als Mensch und auch vor dem Herrn.
Wenn du dich mir verbunden fühlst, dann nimm ihn also auf wie mich selbst!
Der Weg mit Jesus ist eine Zumutung
Wer im Urlaub wandern oder bergsteigen war, wird gemerkt haben, dass es wichtig ist, sich die Kräfte gut einzuteilen und eine Route zu wählen, die den eigenen Fähigkeiten angepasst ist. Wer sich überschätzt, kann auf dem Berg leicht in gefährliche Situationen geraten oder umkehren müssen, bevor er sein Ziel erreicht hat. Eine genaue Planung macht sich in jedem Fall bezahlt, will man sich nicht in ein unkalkulierbares Abenteuer stürzen. Und selbst bei sorgfältigster Vorbereitung verlangt alpines Terrain eine hohe Achtsamkeit bei jedem Schritt und Tritt.
Auch Jesus bereitet die, die ihm nachfolgen wollen, gut darauf vor. Er will nicht, dass sie ihm in blinder Begeisterung nachlaufen wie einem Guru. Sie sollen wissen, worauf sie sich einlassen, und gewissenhaft prüfen, ob sie diesen Weg auch bis zum Ende mitgehen können und wollen. Denn der wird ihnen viel abverlangen und zumuten. Darauf weist Jesus gleich am Anfang hin.
Es geht nicht, Jesus nur ein bisschen nachzufolgen. Der Weg mit ihm erfordert es, sich mit seiner ganzen Existenz darauf einzulassen und ihm die oberste Priorität zu geben. Wer mit ihm gehen will, muss bereit sein, alles andere hintanzustellen und sich von dem, was dabei hinderlicher Ballast ist, zu trennen. Das bedeutet auch, Leiderfahrungen nicht auszuweichen, sondern sie durchzutragen.
Aber der Weg des Evangeliums will niemanden überfordern. Ich soll meine Möglichkeiten und Grenzen gut ausloten und bereit sein, alles zu geben, aber nicht mehr.
Kommentar zum Sonntag aus Grazer Sonntagsblatt
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